Freier Fall

Man lebt nach dem Rhythmus, der die Lungen mit Sauerstoff versorgt. Nach der Melodie, die das Herz mit Blut füllt. Eine undurchdringliche Stille macht sich breit. Vor einem liegt der freie Fall, unter einem die Welt zu Füßen und hinter einem steht die Furcht. Es ist nur dieser eine Schritt, der zwischen der wohligen Sicherheit und der absoluten Freiheit liegt. Der Ekstase. Hier ist der Ort, an dem man sein muss. Aus irgendeinem wahnsinnigen Grund, der in den Ohren des Alltags aberwitzig klingt, weiß man ganz sicher, dass das hier das Leben ist. Das Ausbrechen und Freisein und dem Hingeben in nichts weiter als etwas, das man physikalische Gesetze nennt. Schwerkraft und Beschleunigung bekommen eine um hundertachtzig Grad verdrehte Bedeutung. Es ist eine Gratwanderung zwischen mathematischer Logik und Adrenalin. Nichts ist mehr wichtig außer dem Leben. Und dann fällt man. Der eine Schritt liegt hinter einem und nichts kann ihn wieder rückgängig machen. Man sah die Welt und alles hielt für einen kurzen Augenblick an. Man stieg aus aus ihr und aus aller Gesetzmäßigkeit. Der einzige Parameter war bestimmt durch die Freisetzung aus dem Nebennierenmark. Man fällt und fällt und fällt hinein ins Leben und zurück auf die Welt, die sich auf einmal ganz anders zeigt.