Das kleine Monster und die schlaflose Nacht

[Teil 1: Das kleine Monster und der große Plan]

[Teil 2: Das kleine Monster und die Melancholie]

Wir taumelten mehr durch die Tage und Nächte. Eine leise Müdigkeit hatte Besitz von uns ergriffen. Nicht wegen der Berge und Vulkane, die wir bei Nacht erklommen, sondern wegen der Nächte, in denen wir Stunden lang wach lagen, weil unser Gehirn nicht zur Ruhe kommen konnte. Irgendwann übernahm der Körper dann die Regie. Doch die großen Träume, die wir hatten, fanden keinen Schlaf. Das kleine Monster lag mit geröteten Augen neben mir, müde, als der Tag langsam anbrach. Wir jagten einer Illusion nach und nicht mehr unserem Traum. In unseren Köpfen war es laut, das Gehirn schrie und das Herz pochte wie wild. Es waren grauenvolle Nächte, weil wir mit allem was wir geben konnten in die falsche Richtung rannten. Wir hatten uns auf halber Strecke verloren.

Das kleine Monster stand auf einmal reglos da. Es galt eine neue, eine weitere Grenze zu überschreiten, aber es hatte einfach andere Träume. Also stand es da. Ganz still und in sich gekehrt. Während der letzten Zeit hatte sich so vieles verändert und jetzt, hierkonnte es einfach nicht weiter gehen. Ich stand neben ihm, nahm es in den Arm und versprach ihm, dass alles gut werden würde. So standen wir also da, schweigend und abwartend, obwohl wir selbst nicht wussten, worauf. Das kleine Monster fing an zu weinen, es wollte diese Grenze nicht überschreiten. Es hatte einst einen großen Plan gehabt, aber der hatte sich geändert. Ich stellte das Monster auf seine wuscheligen Beine und schaute ihm tief in die Augen. Es war entschieden. Wir würden nicht weiter reisen. Nicht in diese Richtung. Wir wollten uns verlieren: in der Weite und Stille der Welt.

Auf einmal riss mich das Monster aus dem Schlaf. Es sprang wie verrückt auf dem Bett herum und verfing sich dabei tausend mal in der Wolldecke. Seine Augen glänzten. Es war so aufgeregt und nicht zu bändigen. In dieser Nacht, schlaf- und rastlos, entschieden wir uns diesen Weg nicht weiter zu gehen. Und so entfernten wir uns von den Plänen, den Grenzen und all dem, was wir jetzt nicht mehr wollten. Wir zahlten den Preis. Aber er war es uns wert. Und so hielten wir das Ticket in der Hand, dass uns zurück bringen würde. Wir waren nicht bereit für Kompromisse. Wir wollten alles. Und wir wollten es jetzt. Das kleine Monster hatte einst einen großen Plan gehabt und vielleicht war er immer noch derselbe, nur mit einem anderen Ziel. Vielleicht war der große Traum nicht die Welt zu bereisen, sondern vielmehr zu leben. Ehrlich und wahrhaftig.

Auf dem Ticket stand "Neuseeland". Wir würden zurückkehren, nach all dieser Zeit, weil wir keinen Ort dieser Welt je so sehr lieben würden wie diesen. Damit würde unsere Reise eine vollkommen andere Richtung nehmen. Die einzig richtige. Und trotzdem lagen wir Nächte lang weiterhin wach. Schlaflos. Weil wir so voller Pläne waren und voller Gedanken und voller Träume und voller Abenteuer und voller Leben und voller allem.

©️Kuno 08/2017

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