An alle, die anders denken.

Es gibt Studien darüber, was alte Menschen, die kurz vor ihrem letzten Atemzug stehen, bereuen. Es ist nicht das Leben, das sie geführt haben und es ist nur selten ein Fehler, den sie begangen haben. Vielmehr sind es all die Risiken, die sie nicht eingegangen sind. Es sind die sicheren Wege, die sie gewählt haben und jetzt bereuen. Könnten sie noch einmal voll von Leben sein, sie würden all die Möglichkeiten annehmen und die Träume, die sie hatten, nicht davon gehen lassen, ohne für sie einzustehen.

Die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker.

Die Frage ist also, hat man den Mut das Leben anzunehmen? In all seinen Facetten und Farben, mit all seinen Höhen und Tiefen, immer und zu jeder Zeit? Diejenigen, die hinaus gehen in die Welt und Träume haben, die sie selbst erzittern lassen, das sind die, die jeden Atemzug, jeden Herzschlag spüren. Sie leben bis die Zeit zu Ende geht.

Die, die sich in kein Schema pressen lassen.

Und eines Tages werden sie fallen, sich die Knie aufschürfen und die Knochen brechen. Sie werden bluten und Schmerzen haben. Ganz einfach aus dem Grund, weil das immer passiert, sobald man ein Risiko eingeht und es verliert. Aber dann stehen sie wieder auf. Mit Stolz im Blick und Mut im Herzen. Ganz einfach deshalb, weil sie das von sich selbst verlangen. Dann sind sie wieder fort. Auf dem höchsten Berg, in der weiten See oder hoch oben am Himmelszelt. Es ist der Stillstand, das Vegetieren und die Gefangenschaft, die sie fürchten und nicht die Narbe, die nach dem Fall zurückbleibt. Denn sie ist das Leben.

Die, die Dinge anders sehen.

Es gibt keinen Weg der am Scheitern vorbei führt. Es gibt den einfachen, natürlich, aber dann gelangt man auch nirgendwo hin und dreht sich nur selbst im Kreis wie ein trauriger Clown, der sein Lächeln verloren hat. Man kann das Leben nicht zurückspulen, keinen Tag wiederholen und keinen Augenblick ewig währen lassen. Es passiert jetzt. Es passiert hier. Das Vergangene ist gesetzt. Das Ende offen.

Sie beugen sich keinen Regeln, und sie haben keinen Respekt vor dem Status Quo.

Die Bilder und Gedanken in den Köpfen wollen hinaus in die weite Welt. Träume kommen und gehen und man selbst bleibt zurück oder zieht mit. Aus allen Zwängen fliehen. Vielleicht ist es das, was der Mensch nicht über sich bringt. Das Herz schreit danach und der Kopf schüttelt nur mit dem Kopf und belässt es dabei. Nur ist es eines Tages zu spät. Manchmal früher, manchmal später. Die Zeit wartet nicht und am Ende aller Tage wird sie nicht reichen.

Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen.

Manch ein Traum nimmt Abschied, bleibt auf der Strecke, während man selbst etwas hinterher hetzt, das keine Bedeutung hat und niemals haben wird. Weil es so wichtig ist noch einmal: Man kann nicht zurück! Ist das Leben an einem vorbei gezogen und hat man all die Möglichkeiten nicht angenommen, dann war man am Leben ohne gelebt zu haben. Da ist das Ende gnadenlos und grauenvoll.

Das einzige, was wir nicht können, ist sie zu ignorieren.


Lebenskünstler, Traumtänzer, Weltensegler, Tagträumer. Ein Lebender.

Weil sie Dinge verändern.

Wenn der Tag beginnt, sind sie schon lange fort. Und wenn die Sonne untergeht, dann kommen sie zurück in den Schlaf und bauen weiter an ihrer Welt. Denn sie leben für so viel mehr, als das, was man die Realität nennt. Es ist kein Selbstbetrug, vielmehr ist es groß und bunt und weit und wundervoll.

Weil sie die Menschheit weiterbringen.

Eines Tages, kurz vor dem allerletzten Herzschlag wird vielleicht jemand diese eine Frage stellen: Was hat man bereut?! Die Lebenden werden lächeln und dann hinausgehen aus dieser Welt. Man selbst bleibt zurück und fasst nicht, mit welch einer Arroganz man doch sterben kann. Und dann begreift man vielleicht, dass ein Leben leben mehr bedeutet als am Leben zu sein. Man kann nur hoffen, dass es dann noch nicht zu spät ist.

Und während einige sie für verrückt halten, sehen wir in ihnen Genies.


Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun.

Auszug aus "Think different"

©️Kuno 10/2016

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Kommentare: 0

#5 Ralf Falkowski

Liebe Kuno, ich hatte ein Gefühl im Bauch und habe auf dem Blog gestöbert. Dann habe ich diesen Artikel gefunden und bin stark berührt, gerührt und bin begeistert von diesem Artikel. Ich habe meinen Job gekündigt und gehe in der Mitte des Lebens nächstes Jahr auf Weltreise. Dieser Artikel kam wie gerufen - meine Gefühle fahren Achterbahn! Danke für diesen tollen Moment! liebe Grüße Ralf

KUNO

Danke für dieses Kompliment :) Ich wünsche dir ganz viel Mut und Freude bei deinem Vorhaben. Für mich geht es Ende des Jahres schon auf Weltreise und ich kann dir sagen: es wird nicht besser mit der Achterbahnfahrt ;) Wir können uns ja dann mal austauschen :)


#4 Sabine

Liebe Kuno,
ein wunderbar geschriebener Post über ein spannendes Thema, worüber es sich lohnt, sich Gedanken zu machen. Wer will schon eines Tages merken, dass es zu spät ist all die Träume zu verwirklichen, die man so lange nur vor sich hergeschoben hat? Oder die man sich nicht getraut hat, durchzuziehen? Dann doch lieber und mit selbstbewusst erhobenem Kopf hinausziehen, den eigenen Zielen nachjagen, das Risiko anlachen - und wenn man den Karren in den Dreck gefahren hat, wieder rausziehen, Kopf schütteln, darüber lachen und erneut Anauf nehmen :-)
Viele Grüße,
Sabine

KUNO
Danke :) Man wird sich im Leben bestimmt immer wieder verrennen, aber man sollte nie aufgeben und gradlinig sein Ding durchziehen.


#3 Chrissy

Ganz toller Post! Ich mag deine Art zu denken, ich beschäftige mich immoment selber mit solchen Themen. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch mehr Risiko eingehen und die Träume zu verwirklichen und dem nachzugehen wovon ich immer tagträume.
Liebe Grüße, Chrissy

KUNO

Vielen Dank :) Dann werde ich deinem Blog demnächst folgen und wünsche dir viel Erfolg beim Erfüllen deiner Träume :)


#2 Orange Diamond Blog

Ciao!
Ein sehr interessanter Beitrag - mit wunderbaren Bildern!
Viele Grüße,
Alex.

KUNO

Danke schön! :)


#1 Gina

Wunderschöner Text und so wahr!
Vielen Dank dafür.
Ich habe selber immer wieder gemerkt, dass ich bereue, etwas nicht gemacht zu haben und sehr selten bereue, etwas gemacht zu haben. Wie der Text sagt, selbst wenn ein Erlebnis im Nachhinein scheiße war, war es eine Erfahrung, die mich auf irgendeine Art weiter bringt.
Jetzt sind wir mit Mitte Fünfzig auf eine Weltreise aufgebrochen und bereuen keinen einzigen Tag davon.
LG
Gina

KUNO
Danke auch :) Oh, da wünsche ich euch noch ganz viel Spaß und schöne Erlebnisse!