Im Schatten der Löffelliste

Der erste Schrei. Die Lunge entfaltet sich. Das Leben hat seinen Anfang genommen. Als Kind ist es das leichteste der Welt. Später dann verlieren wir es aus den Augen, richten unseren Blick auf das Große und Ganze und vergessen das Einzigartige. Eines Tages sitzen wir da und schreiben eine Liste mit all den Dingen, die unser Leben lebenswert machen würden. Eine Liste mit Abenteuern, die wir einmal im Leben wagen wollen. Von Zeit zu Zeit kramen wir sie aus einer dunklen Kiste hervor und führen uns vor Augen, was wir zu verlieren haben. Den Rest unserer Lebenszeit verstecken wir sie jedoch bewusst vor uns selbst. Damit wir es nicht wagen müssen. Damit wir dem Verrückten, dem Wilden, dem Abgedrehten, dem Abenteuer und Leichtsinn aus dem Weg gehen können. Einzig und allein aus dem Grund, damit wir auf dem sicheren Weg bleiben, dem einfachen, der uns zum Ziel führt. Mit dem ersten Schrei gibt man ein Versprechen an die Welt. Man schwört mit aller Leibeskraft, dass man es mit dem Leben aufzunehmen versucht. Man setzt einen Schritt vor den nächsten ohne dort schon verstanden zu haben, wie viele Menschen es nicht einmal bis zu diesem Punkt schaffen. Im Lauf der Zeit realisieren wir dann, dass das Ziel nicht weniger ist als das Ende. Wir haben dieses eine Leben von unbestimmter Dauer. Wir können uns in unsere Träume flüchten und sicher den nächsten Schritt in die Eintönigkeit gehen. Aber es gibt da draußen auch diejenigen, die es riskieren. Die keine Liste haben, weil sie jeden Tag so leben, dass sie ihrem Versprechen treu bleiben. In ihren Köpfen ist der Leichtsinn, in ihren Herzen Mut. Der Preis, den sie zahlen, ist das Leben. Aber ihres ist es Wert. Während wir ihnen hinterherschauen, die Liste in der Hand, haben sie nur diese eine Sache im Kopf: das Leben.

Löffelliste

Leben ✔️

Wovor schrecken wir zurück, dass wir nicht leben, sondern in Ehrfurcht vor dem Möglichen erstarren und zurück bleiben, hinter all den Wagnissen, die es sich einzugehen gelohnt hätte.

Bungee-Jump Queenstown
Bungee-Jump Queenstown

Fallschirm-, Bungee- und Klippensprung wollen nicht einfach abgehakt, sondern gelebt werden. Sie fordern ihr Recht ein und die meisten von uns scheitern, weil wir es nicht wagen uns dem Leben zu verschreiben. All die verrückten Dinge in unseren Köpfen haben es verdient, es in die Welt zu schaffen. Wir können den Löffel natürlich auch hochglanzpoliert abgeben, aber im Ernst: Was hat man damit schon gewonnen?! Die Frage ist doch einzig die, ob wir irgendwann verstehen, dass es nicht ums Überleben geht, sondern darum jeden Atemzug zu spüren. Denn dafür haben wir an der Startlinie angefangen unsere Lungen mit Luft zu füllen. Und seien wir doch ehrlich, dass einzige, das uns im Weg steht ist die Angst. Wir fürchten den Tadel der Gesellschaft, den Gang gegen den Strom, den Farbklecks im asphaltierten Grau. Und mit dieser Angst im Nacken blicken wir von Zeit zu Zeit verstohlen auf unseren Zettel, der direkt neben dem Löffel liegt.

"Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.", Anais Nin

Vielleicht ist es auch nicht immer wichtig, welchen Traum man hat, welcher im Lauf der Zeit auf der Strecke bleibt und welcher zum Leben erwacht. Also steh' auf und mach' diese eine Sache, von der du zu einhundert Prozent weißt, dass du sie tun musst - und das nun schon eine ganze Weile lang - LEBE.

©️Kuno 08/2016

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Kommentare: 0

#2 Imke

Liebe Kuno, ein toller Post zum Thema Leben und die Angst davor. Ich gebe dir Recht, manchmal muss man einfach machen ;) Liebe Grüße, Imke

KUNO
Danke für deinen lieben Kommentar :)


#1 Gregor

Du hast ja so recht.

KUNO
:)