Australien

Während des Fluges ist die Nacht rabenschwarz. Es ist ganz still so weit oben in der Luft während auf dem Kontinent die Erde brennt.

Melbourne lebt, pulsiert, ist dynamisch. Nachts spiegeln sich die Lichter in den Fluten, am Tag die großen Pläne einer Metropole und ihrer Gefolgschaft. Melbourne schafft es Stadt und gleichzeitig lebendig zu sein. Sie geht nicht in ihrem selbst erschaffenen Grau unter, sondern besprüht es mit Farbe und rennt eins in eins mit der Zeit.

Melbourne
Melbourne

Weit ab von den Menschenmassen liegt der Grampians-Nationalpark. Eine Gebirgskette erstreckt sich durch das sonst so flache Land. Wasserfälle rieseln wie Silberfarn hinab oder brechen sich tosend auf gewaltigen Felsvorsprüngen. Das Land ist überwachsen mit Wald und im Frühling sprießen überall die Blüten dieses neuen Jahres, das langsam erwacht. In der Dämmerung wagen sich Kängurus hervor. Dann geht die Sonne unter, taucht den Canyon in lange Schatten und legt den Wald zur Ruhe. In der Ferne hört man noch das Rauschen des Wassers, das sich seinen Weg durch die Schluchten bahnt.

Grampians Nationalpark
Grampians Nationalpark

In Tasmanien wirkt alles entschleunigt. Wombats überqueren die Wege, die einen selbst durch eine Sumpflandschaft führen. Überall sind kleine Tümpel und große, tiefblaue Seen im Cradle Mountain Nationalpark. Zerklüftete Felsen müssen erstiegen werden, dann hat man eine spektakuläre Aussicht auf das weite Tal mit seinem Buschwerk, seinen Bergen und seinen Wasseroberflächen, die in der Sonne des wolkenlosen Himmels glitzern. Auf den Höhen liegt noch vereinzelt Schnee. Wasserfälle rauschen hinab. Bäche plätschern vor sich hin. Auf den hohen Gipfeln liegen noch Schneefelder, die das überqueren unmöglich machen. Manch einer traut sich noch an den steilen Hängen auf dem Eis entlang, muss aber letztendlich einsehen, dass jeder Schritt der letzte sein könnte. Also überlässt man den Aufstieg denen, die einige Zeit später da sein werden, wenn der Schnee getaut ist. Dafür klettert man die anderen Felsen entlang, wagt sich durch das dichte Unterholz und findet sich am Ende im Nirgendwo wieder, umringt von friedlicher Ruhe, Seen und Bergkämmen. Man verweilt einen Moment, den es zeitlich nicht zu fassen gibt.

Cradle Mountain Nationalpark
Cradle Mountain Nationalpark
Cradle Mountain Nationalpark
Cradle Mountain Nationalpark

Jeden Samstag findet in Hobart der Salamanca-Markt statt, auf dem Künstler, Handwerker und regionale Verkäufer ihre Waren darbieten. Man kann das Treiben zwischen den all den Düften und Geräuschen genießen.

Hobart/Mt. Wellington
Hobart/Mt. Wellington

Der Mt. Wellington ragt über Hobart hervor. Der eigentliche Aufstieg hat nicht viel zu bieten, die Bergebene um den Gipfel dafür umso mehr: Wildblumen, Steinformationen und Ausblicke über das Meer.

Mt. Wellington
Mt. Wellington

Im Süden Tasmaniens liegt der Hartz Nationalpark, in den man nur auf Schotterpisten und durch tiefe Schlaglöcher gelangt. Am Ende der Zivilisation in dichtem Nebel geht der Weg los. Erst führen Holzstege über die Sumpflandschaft, dann sind es matschige Pfade, die schließlich an den Fuß des Hartz Mountain führen. Von dort geht es hinauf bis auf eine Bergebene, auf der eisig der Wind gegen einen an kämpft. Der leichte Regen gefriert zu kleinen Kristallen. Zwischen den Felsen kann man kurzweilig Schutz suchen, dann dreht der Wind. Der Nebel wird dichter. Der Aufstieg über die großen Gesteinsbrocken führt schon längst nicht mehr über einen gekennzeichneten Weg. Oben angekommen, lässt sich gerade noch die eigene Hand vor Augen erkennen. Weiter reicht die Sicht heute nicht. Der Wind peitscht. Ansonsten ist nur eine Krähe zu hören, die über einem ihre Kreise zieht.

Hartz Nationalpark
Hartz Nationalpark

Die Great Ocean Road führt an Stränden entlang und wird von Melbourne Richtung Osten fahrend immer spektakulärer. Die seichten Sandstrände wechseln zu Surfspots, die Wellen brechen und langsam erheben sich die Klippen. Vor der Küste stehen die zwölf Apostel, die schon lange nicht mehr vollzählig sind, sondern in den türkisblauen Farben des Ozeans untergegangen sind. So wie es die unzählbaren Schiffe getan haben, deren Wracke man nicht alle gefunden haben. Zwei Menschen haben die Tortur der Wellen überlebt, aber auch sie sind längst nicht mehr auf dieser Welt.

Grampians Nationalpark
Grampians Nationalpark
Port Campell National Park
Port Campell National Park

Buschfeuer und Waldbrände sind in Australien keine Seltenheit. Überall sieht man die schwarz verkohlten Stämme und wie sich die Vegetation langsam wieder ins Leben kämpft. Aber dann ist da dieser Baum, der vollständig abgebrannt ist, aber dessen Samen nur unter den Bedingungen eines verheerenden Feuers sprießen kann. Er öffnet sich durch die Hitze und den Rauch, nährt sich von der verbrannten Erde und wächst eines Tages zu einem seiner Vorfahren heran. Bis das nächste Feuer auch ihn hinreißt, seine Zeit zu Ende ist und ein neuer Samen das Licht der Welt erblickt.

©️Kuno 10/2017

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Kommentare: 0

#4 Katja vom WellSpa-Portal

Danke für´s zurückträumen. Letztes Jahr durfte ich diese tolle Gegend näher kennenlernen und war völlig begeistert.
Die Grampiens allerdings wollten sich für mich dauerhaft in Nebel hüllen. Doch Melbourne und Co waren super schön.
Dank deiner schönen Bilder weiß ich ja jetzt, was ich gesehen hätte, wenn ich etwas gesehen hätte :-)
LG Katja

KUNO
Nebel in den Grampians gehört wohl einfach dazu... Ich hatte diesen dauerhaften Nebelschleier im Hartz Nationalpark, aber das macht es ja auch irgendwie mystisch ;)


#3 Kathi

Liebe Kuno,
wieder einmal ein ganz wundervoller Bericht und die Bilder sind wieder einmal klasse. Von der Landschaft, wie von den Tieren. :)
Der Ausblick vom Mt. Wellington ist wirklich atemberaubend. Am liebsten würde ich sofort meine Sachen packen und dir nachreisen. Wie lange warst du in Australien?
Viele liebe Grüße
Kathi

KUNO

Vielen Dank :) Ich war nur drei Wochen dort und habe in der Zeit Tasmanien und Melbourne bereist. Das hat zeitlich ganz gut gepasst, aber natürlich bleibt da noch genug von Australien übrig, um noch einige Reisen auszufüllen ;)


#2 Barbara

Hallo Kuno,
das sind ja traumhafte Fotos - und bei Dir ist der Text immer so klasse, ich bin immer begeistert davon, wie Du formulierst und was in Deinem Kopf vor sich geht. Kompliment!
Eigentlich wollte ich diesen Winter auch nach Australien, aber leider klappt es nicht. Also reise ich ein wenig in Gedanken mit Dir.
Liebe Grüße
Barbara

KUNO

Danke schön :) Schade, dass es nicht klappt, aber dafür steigt die Vorfreude und eines Tages wird es mit der Reise bestimmt klappen und du kannst dann aus eigener Erfahrung berichten :)


#1 Monika und Petar Fuchs

Der Cradle Mountain Nationalpark würde mich auch mal interessieren. Im Grampians Nationalpark war ich schon öfter unterwegs. Der gefällt mir auch sehr gut. Dein Post bringt schöne Erinnerungen zurück.

KUNO
Den Cradle Mountain Nationalpark fand ich persönlich noch etwas schöner. Also wenn sich euch die Möglichkeit bietet, dann kann ich Tasmanien nur empfehlen.