Ecuador

Zweieinhalb Stunden führt der Pfad, der immer steiler und rutschiger wird, nach oben. Man bahnt sich den Weg durch Geäst und an Abhängen vorbei, um am Ende vor einem Baumhaus zu stehen. Und dann beginnt das eigentliche Abenteuer: Man schaukelt! Vor einem erstreckt sich der Abgrund mit Blick auf einen aktiven Vulkan, Wasserfälle und das tiefe Tal. Wäre da nicht der dichte Nebel. Heute sieht man nämlich rein gar nichts, außer Grau. Man schaukelt also buchstäblich ins Nichts hinein. Unter einem irgendwo die Schlucht, die man nicht einmal erahnen kann.

Baños de Agua Santa
Baños de Agua Santa

Auf der anderen Seite von Baños de Agua Santa erstreckt sich eine andere Schlucht, durchzogen von fünf aufeinanderfolgenden Wasserfällen, der größte misst 35 Meter. Mit Helm und Karabinerhaken steigt man also ein in dieses nächste Abenteuer. Die Wassermassen stürzen nur so zu Boden. Mittendrin man selbst. Während man sich noch fragt, was man sich herbei gedacht hat, schleudert einen die Kraft des Wassers schon gegen den ersten Felsen. Man sucht Halt. Es gibt keinen Weg zurück. Es ist ein ständiges Fallen und Wiederaufstehen. Die Abschürfungen, Kratzer und leichten Kopfschmerzen trägt man mit Stolz. Sie sind der Preis, den man für dieses Abenteuer zahlt. Und er ist gerecht.

Baños de Agua Santa
Baños de Agua Santa
Baños de Agua Santa
Baños de Agua Santa

Im Dschungel, einem Randgebiet des Amazonas wartet die nächste Schaukel. Einmal zwischen all dem Gehölz des Regenwaldes hindurch über einen Abgrund. Erst jetzt spürt man die Freiheit, die zwischen den eng umschlungenen Bäumen und dem dichten Gehölz schlummert. Zur Abkühlung heißt es danach: schwimmen unter einem Wasserfall. Der Dschungel wird zu Fuß erkundet. Es geht auf schmalen Pfaden über Wurzeln und spannende Wegformationen. Am Flussufer stehen dünne Holzkanus bereit. Ohne die Erfahrung der Einheimischen würde man es nicht einmal trocken ins Boot schaffen. Am Ende des Tages steht ein Besuch in einem indigenen Dorf an. Die Praktiken und Riten sind neu, anders, aber spannend mitzuerleben. Man wird gastfreundlich und herzlich im Kreis der Einheimischen aufgenommen, bevor man zwischen Schweiß und Regennässe dem Dschungel den Rücken zukehrt.


Den Cotopaxi zu besteigen ist zur Zeit nicht möglich. Vor einer Woche noch ist eine Lawine hinabgerollt und hat andere Bergsteiger schwer verletzt. Auf gut 4800 Höhenmetern ist am Fuße des Gletschers also Schluss. Die Spitze des Vulkans hüllt sich in Nebel.

Cotopaxi Nationalpark
Cotopaxi Nationalpark
Vulkan Cotopaxi
Vulkan Cotopaxi

In Mindo warten Wasserfälle, Nebelwälder und eine atemberaubende Vielfalt an Vögeln und Schmetterlingen. Das Wasser ist eisig kalt, das Klettern über Stock und Stein ein schmaler Grad, aber wenn man es wagt und sich voll und ganz der Natur hingibt, dann findet man diesen Ort, der einem alles gibt, was er versprochen hat.

Mindo
Mindo

Der Legende nach soll der Baum, der über der Stadt Otavalo thront, eintausend Jahre alt sein. Umliegend ragen Vulkane in die Höhe, erstrecken sich Seen und langsam, aber sicher ziehen die ersten dunklen Wolken über die Bergkämme.

In Ecuador ist man frei, in der Natur zu Hause. An dem einen Tag noch im dichten Regenwald, am nächsten hoch oben auf einem der Vulkane. Das Meer ist jederzeit zum Greifen nah und dann sind da natürlich noch die Galapagosinseln. Für die einen ein Traum, für die anderen das Ziel ihrer Reise. Dieses Mal ohne mich, denn die Ferne ruft.

© Kuno 05/2017

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Kommentare: 0

#10 Jessica

Oh, das hört sich ja abenteuerlich an! Ich liebe ja die Natur, leider habe ich es mit dem klettern über Stock und Stein nicht so. Na dann muss ich mir halt deine tollen Fotos anschauen. ;-)
LG Jessica

KUNO

Auch ohne über Stock und Stein zu klettern, kann man Ecuador getrost einen Besuch abstatten. Das Land hat einfach so viel zu bieten! :)


#9 Gregor

Hallo Kuno,
wie immer, sind deine Bilder und Beiträge grandios.
Schauckel, Wasserfälle,... alles top.
Warte schon auf die nächsten Reiseziele mit Bildern und Texten.

KUNO

Lieben Dank :) Da kommt bestimmt noch das ein oder andere Land dazu ;)


#8 Barbara

Hallo Kuno,
wow, das ist ja faszinierend! Diese Natur, Vulkane - und dann eine Schaukel?! Krass! Von Ecuador habe ich keine so wirkliche Vorstellung, dabei bietet das Land sicher eine Menge. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es wirklich mal hin. So lange - danke fürs virtuelle Mitreisen-Dürfen. Deine Berichte lesen sich immer toll.
Liebe Grüße
Barbara

KUNO

Die Natur ist richtig schön! Ecuador ist ein relativ kleines Land und hat trotzdem so viel zu bieten. Einfach nur traumhaft :) Danke schön.


#7 Katharina

Liebe Kuno,
wow, die Schaukel ist wirklich sehr cool - und der Moment auf dem Bild super eingefangen. Darauf hätte ich auch mal Lust. Die ganze Tour hört sich super an. Das einzige Problem dabei ist, dass Wasserfälle wenn wir in der Nähe sind grundsätzlich austrocknen... ;-) Wir haben da irgendwie kein Glück.
LG
Katharina

KUNO

Oh nein, dann kommt am besten nicht in die Nähe von Ecuador, sonst liegt das Land bald trocken ;)


#6 Eddy Harteneck

Liebe Kuno, ich hoffe sehr, Du "bezahlst" nicht jedes Deiner tollen Abenteuer mit Schürfwunden... sonst ist nach Deinem Südamerika Trip nichts mehr übrig... das Schaukelfoto ist spitze, gerne mehr von solchen Bildern. LG, Eddy

KUNO

Die Befürchtung haben, glaube ich, viele :D Aber keine Sorge, es gibt noch viele Abenteuer und auch Fotos :)


#5 Susanne

Coole Sache so eine Schaukel. Aber noch beeindruckender finde ich die Tour durch/in den Wasserfall. Da hätte ich auch Lust drauf!
Die Nebelwälder beeindrucken mich auch, ob ich die mal in live sehen werde?
LG, Susanne

KUNO
Die Canyoning-Tour hat riesig Spaß gemacht! Kann ich nur empfehlen ;) Ich würde sagen: Ab nach Ecuador ;)


#4 Kathi

Liebe Kuno,
Ecuador hab ich schon etwas länger auf meiner Reiseliste stehen und dein Beitrag bestätigt noch einmal meinen Wunsch, dort unbedingt einmal hinzufahren. Deine Bilder sind großartig. Diese Weite und Vielfalt der Natur ist einfach unbeschreiblich. Absolut grandios.
Besonders die Nebelwälder würden mich einmal interessieren.
Viele liebe Grüße
Kathi

KUNO

Ecuador ist so vielfältig und besonders für Naturliebhaber ein absolutes Muss! Die Nebelwälder sind super schön, besonders früh morgens und am Abend, wenn sich die Wolken nieder legen :)


#3 Michaela

Oh, da werden Erinnungen wach, ich war nämlich gerade vor 2 Wochen in Ecuador - unter anderem in Banos. Ich habe es es geliebt.
Toller Bericht über dieses so vielfältige Land!
Liebe Grüße aus Peru

KUNO
Baños und Mindo waren meine Favoriten. So schöne Landschaften und Abenteuer, die auf einen warten. Viel Spaß dir weiterhin in Peru :)


#2 Christin

Das liest sich wunderbar! Dieses Ecuador hat doch einiges zu bieten. Wer zum ersten Mal nach Südamerika reist, noch nie da war und sich nur ein einziges Land aussuchen kann, sollte nach Ecuador reisen. Es ist genau so, wie du es beschreibst: Regenwald, Vulkane, Inseln... alles, was es irgendwo in Südamerika in groß gibt, gibt es auf jeden Fall auch in Ecuador, wenngleich ein bisschen kleiner :-)
Die Abseil-Tour habe ich 2009 auch mal gemacht und fand es großartig. Genau wie Banos.
Vielen Dank für den schönen Artikel und die tollen Bilder. Ich mag deinen Stil!

KUNO
Oh ja, Ecuador bietet wirklich alles, was das Reiseherz begehrt!

Danke schön :)


#1 Monika und Petar Fuchs

Also ob ich mich auf die Schaukel trauen würde, wage ich zu bezweifeln. Auch nicht, wenn man den Abgrund nicht sieht :) Umso größer ist mein Respekt für Euch, wenn Ihr das macht.
Viele Grüße,
Monika

KUNO

Es war durch den Nebel irgendwie noch abenteuerlicher, weil man nie wusste wie tief es tatsächlicher runtergeht. Aber definitiv einer der coolsten Schaukeln ;)