Hawaii

Ohahu

Hawaii ist militärischer Stützpunkt. Die zwei Soldaten, bei denen ich die ersten zwei Nächte schlafe, waren beide im mittleren Osten. Im Krieg. Sie tragen ihre Uniform mit Stolz. Die Vereinigten Staaten von Amerika. In Hawaii hat der neue Präsident noch keinen Einzug erhalten. Barack Obama thront an den Fassaden und blickt visionär in die Ferne. Die Zukunft. Sobald man die Inselhauptstadt Honolulu verlässt, spielt all das keine Rolle mehr. Man betritt eine andere, längst verschollen geglaubte Welt, die im Einklang mit der Natur steht.

Maui

Entlang des Hana-Highways erstrecken sich schroffe Küsten, an denen sich die Wellen brechen. Das Wasser ist glasklar. Tiefblau bis türkis. Eine leichte Brise weht. Auf der anderen Seite findet man Wasserfälle, kann von Klippen springen und sich im kühlen Nass ausruhen. Die Straße führt über Brücken, durch tropische Landschaften, an schwarzen Stränden vorbei. Man muss aufpassen, die Strömungen haben an manch einer Stelle schon Menschenleben gefordert. Überall trifft man auf entspannte, beeindruckte, ja, sprachlose Menschen. Die meisten haben hier das Paradies auf Erden gefunden. Die Regierung schützt diesen Ort. Alles scheint perfekt zu sein. Das erste, was ich in Maui mache, ist der Klippensprung, nach Fall- und Bungeesprung nun also der dritte im Bunde. Es ist nur eine kleine Klippe, aber sie ist schroff. Und dann ist er auf einmal wieder da, dieser eine Moment vor dem Absprung. Man wagt es. Man springt die Felswand hinunter und hinein in ein neues Abenteuer: Hawaii.

Hana Highway
Hana Highway
Hana Highway
Hana Highway

Von Hana aus fahren die meisten den Highway wieder zurück. Weniger nehmen die Straße nach Süden, die teils aus engen Schotterwegen besteht und je nach Wetterlage nicht passierbar ist. Wenn aber alles stimmt, erschließt sich einem ein untouristisches Maui. Keine Sandstrände, aber dafür grüne Felder, Klippen und ein weiter, kärgeres Land. Die Landschaft ist nicht weniger spektakulär, vielleicht durch die raue Art sogar noch ein wenig abenteuerlicher. Egal für welche Route man sich entscheidet, Ziel kann nur der Haleakala Nationalpark sein. Man kann zu dem Vulkan wandern, nachts die Sterne von einem Observatorium aus bestaunen oder den Weg zum gespaltenen Felsen antreten. Letzterer liegt auf einem der vielen Wanderwege, die durch die einmalige Landschaft führen. Hier sind allerdings Wind und Regen für die Zerklüftungen und vulkanähnlichen Formationen verantwortlich.

Haleakala Nationalpark
Haleakala Nationalpark

Dann geht es von der kühlen Höhe zum warmen Meer. Salzwasser, Sand und ganz viel Aloha. Auf den kleinen Hawaii-Inseln begreift man erst wie verloren man inmitten des Pazifiks ist. Jeder Naturlaune ausgeliefert. Um einen herum nur der tiefe, unergründliche Ozean. Immer wieder liest man von tödlich verunglückten oder schwer verletzten Hawaii-Urlaubern. Das Paradies hat seine Tücken. Strömungen, hohe Wellen und steile Klippen. Bei all der Schönheit und dem Wundersamen, das es zu entdecken gibt, vergisst man schnell, dass nicht man selbst die Regeln aufstellt, sondern man besser nach ihnen spielt.

Der Kings Trail führt durch vulkanisches, schwarzes Geröll, das sich bis zum Ufer hin erstreckt und an dem die Wellen brechen. Überall ragen Felsen aus dem Meer heraus. Es ist gewaltig und trotzdem wagen sich einige Surfer auf die Wellen, die meterhoch heran rollen. An einer Stelle steht ein Kreuz, ein zerschmettertes Surfbrett daran gelehnt. Dieser Surfer hat seine letzte Welle nicht überlebt.

Während sich die meisten an einem der schönen Strände aufhalten, surfen, schnorcheln oder einfach nur den sonnigen Tag genießen, ruft die wenigen anderen der Berg, der sich auf der anderen Seite erhebt. Mit saftig grünen Wiesen und einem faszinierenden Blick auf das umliegende Meer lohnt sich der Aufstieg. Da erst die Sonne untergegangen sein muss, damit alle den Pazifik verlassen, bleibt noch etwas Zeit sich dem ruhigen Treiben am Strand anzuschließen.

Kings Trail
Kings Trail

Mit dem Sonnenaufgang um fünf Uhr beginnen die Tage und erst wenn die Nacht hereinbricht, wird es ruhig. Hawaii hat so viel, das sich entdecken lassen will, aber wie so oft endet auch dieser Tag chancenlos. Man hat versucht mitzuhalten, aber die Geschwindigkeit nicht halten können.

Der nächste Trail ist auf keiner Karte verzeichnet, der Weg ist verwachsen und führt ins Hinterland. Irgendwann, zwischen grünen Hügeln und Nebel, der sich langsam nieder senkt, gibt es kein Weiterkommen mehr. Man dreht sich um und sieht auf einmal das Meer in der Ferne. Wie es einem so zu Füßen liegt, kann man gar nicht schnell genug wieder zurück ins Salzwasser. Nachts ist der Himmel hell erleuchtet. Tausende von Sternen scheinen herab.

Der letzte Tag auf Maui beginnt mit Schnorcheln in der Honolua Bay. Früh morgens tummelt sich noch fast niemand in der Bucht, in der es einige Fische zu bestaunen gibt. Der Hana Highway gilt als einer der schönsten Straßen der Welt. Für mich ist die Nordwestküste Mauis jedoch viel, viel spannender. Wellen brechen an den Kliffen. Die Straßen sind eng. Alles ist gewaltig und wunderschön.


Kaua'i

Das Wasser ist glasklar, die Korallenriffe erstrecken sich viel weiter hinaus, als dass man sie schnorchelnd in ihrer Gänze erfassen könnte. Unter Wasser ist es ruhig. Nur das Meer, das leise Rauschen und die Farbenpracht der kleinen, vielfältigen Fische, Muscheln und Korallen.

Auf der Insel Kaua'i sind viele Gebiete für den Mensch unzugänglich. Man kann es zwar nicht sehen, aber überall schwebt der Gedanke, dass es noch geheimnisvolle, wahre Orte gibt. Man ist nicht traurig sie nicht sehen zu können, sondern glücklich, dass es sie gibt.

Entlang der Na Pali Küste zu wandern ist wunderschön. Weiße Sandstrände, tropische Wälder, türkisblaues Wasser,... Der Weg ist allerdings nicht immer einfach. Flüsse wollen überquert werden, Täler durchlaufen und Winden getrotzt werden. Aber wenn man all das auf sich nimmt, dann gelangt man an verlassene Orte, die es alle Mal Wert sind. Es führen auch Wege auf der anderen Seite der Na Pali Küste entlang. Die Aussicht von dort ist noch um einiges schöner und irgendwie so, als sei man gerade in ein Wunder hineingelaufen, das nicht von dieser Erde ist. (Abseits der offiziellen Wanderpfade: Weltfrieden)

Na Pali Küste
Na Pali Küste
Na Pali Küste
Na Pali Küste

Der Waimea Canyon lässt sich erwandern. Die Pfade sind steinig, steil und ausnahmslos gefährlich, sobald man sich den Klippen nähert. Dennoch kommt man nur auf ihnen zu den tief rauschenden Wasserfällen, den freien Blicken über das ganze Tal und einem neuen Abenteuer.

Waimea Canyon
Waimea Canyon

Hawaii ist wahnsinnig vielfältig, zu Land und zu Wasser. Viele Orte kann man nur mit dem Helikopter erreichen. Andere nur, wenn man die Pfade verlässt. Aloha ist nicht nur ein Wort, sondern eine Lebensweise. Alles scheint auf den Inseln unbekümmerter zu sein. Leichter. Aber auch gefährlicher an den Klippen und Abgründen. Hawaii ist Surferparadies und letzte Ruhestätte solcher, die die letzte Welle nicht überlebt haben.

©️Kuno 07/2017

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Kommentare: 0

#5 Diana

Liebe Kuno,
ein spannender Artikel für mich, voll von toll klingenden Namen. Und welche Vielfalt die Inseln bieten. Das Meer, die Strände, die Berge. Wie toll hier zu wandern und auch zu surfen (wer es kann...). Da möchte ich auf jeden Fall mal hin!
LG Diana

KUNO
Jede Insel hat seinen eigenen Reiz und hat etwas eigenes. Inselhopping macht hier auf jeden Fall Sinn.


#4  Claudia

Hallo Kuno,
vielen Dank für den tollen Beitrag, der mich direkt in den Februar 2016 katapultiert hat, als wir selbst während unserer Weltreise knapp zwei Wochen auf Hawaii waren. Zuerst auf Big Island, dann auch auf Maui, wo uns ein Freund besucht hat, was ein ganz besonderer Weltreisemoment war ;) Jedenfalls ruft dein Artikel gerade all diese Erinnerungen wach, während im Radio "Frankfurt Oder" läuft! Das Aloha-Lebensgefühl haben wir ganz stark wahrgenommen, witzig fanden wir, dass sich eine auf Maui gebraute Biersorte "liquid Aloha" nannte. Das mussten wir natürlich testen. Andererseits fand ich es faszinierend, was für finstere Seiten und tödliche Gefahren du auf Hawaii entdeckt hast. Immer spannend, wie unterschiedlich Menschen Orte und Situationen wahrnehmen. Aber gut, dass wir von diesen ganzen Gefahren 2016 noch nichts wussten.
Die Road to Hana hat uns einiges abverlangt, aber auch sehr bereichert, und wir sind wie du auch nicht zurück, sondern weitergefahren, auch wenn das mietwagentechnisch ein bisschen illegal war. Aber die umwerfende Strecke war's wert! Du kennst das.
Nach Kaua'i haben wir's dann leider nicht geschafft, aber das steht weiterhin auf unserer Bucketlist. Dort ist ja Jurassic Park gedreht worden. Die Landschaft muss der Hammer sein. Danke auf jeden Fall, dass du mich mit deinem wunderbar finster-poetischen Text zurück mit nach Hawaii genommen hast! War eine schöne Reise :)
In diesem Sinne, herzliche Grüße aus Hamburg
Claudia

KUNO

Big Island würde ich auch noch wahnsinnig gerne machen, aber das muss noch warten.

Ja ja, immer diese Menschen, die die Road to Hana weiterfahren ;D Aber für mich war das sogar der schönerer Abschnitt und weit nicht so überlaufen. Kaua'i würde euch bestimmt gefallen. Die Natur ist tatsächlich atemberaubend schön!


#3 Simone

Liebe Kuno, Hawaii hat seit jeher den Status eines Traumes bei mir. Mal sehen wann ich den mal wahr werden lasse...deine Fotos haben mir aber gezeigt, dass es vor Ort so schön ist, wie ich denke. Auch wenn es gefährliche Ecken gibt...
Viele Grüße Simone

KUNO
Es lohnt sich auf jeden Fall diesen Traum wahr werden zu lassen ;)


#2 Katja vom WellSpa-Portal

Das sind richtig entspannt aussehende Bilder von Hawaii. Wie hoch ist der höchste Berg dort? In jedem Fall sind die Trails recht anspruchsvoll aber auch wunderschön.
Hast du die Lebensweise Aloha schon in dir aufgenommen?
Viele Grüße
Katja

KUNO

Der höchste Berg ist der Mauna Kea mit 4207m. Wenn man vom Meeresgrund ausgehen würde und nicht vom Meeresspiegel, wäre er sogar der größte Berg der Welt.

Nach den ersten paar Stunden ist man sofort in dem Aloha-Feeling drin und will da auch gar nicht mehr raus ;)


#1 EssayHilfe

Das ist mein Traum! was ein toller und vor allem Interessanter Beitrag. Vielen lieben Dank für die ganzen Info´s.
Ich finde solche Beiträge einfach immer super.

KUNO
Danke schön :)