Indonesien

Kurz nach Mitternacht beginnt der Aufstieg auf den Vulkan Merapi. Es ist vollkommen finster, der Himmel sternenklar und der Wind eisig kalt. 4,5 Stunden führt ein schmaler Pfad voller Geröll, wahnsinnig steil und von Wurzeln durchzogen zum Rand des Kraters. Der starke Wind und die Kälte sind der Feind der Bergsteigenden dieser Nacht. Doch mit einem mal sind all der Schweiß, die Anstrengung und die dunkle Kälte vergessen, denn die Sonne geht auf. Erst ist es nur ein leicht schimmerndes Band am Horizont, das die umliegenden Vulkane in Szene setzt. Doch dann erscheint die Sonne in einem feurigen Rot und vollkommenem Kreis. Innerhalb weniger Minuten ist sie vollständig aufgegangen und man selbst bleibt unendlich klein zurück, mit der Ungläubigkeit in der Frage wie schnell sich die Erde drehen muss.


Der Bromo-Nationalpark besticht durch seine Weite. Überall ragen aktive Vulkane in die Höhe. Der Schwefel steigt in dicken Schwaden herauf und donnert regelrecht an die Oberfläche. Die Gewalt, die dahinter stecken muss, lässt sich nur erahnen. Der Pfad auf dem Kraterrand führt einem vor Augen, was die Erde kann. Auf der einen Seite der stickige Schwefel, der in der Lunge brennt, auf der anderen Seite die raue und karge Landschaft des Nationalparks. Man ist angekommen am berüchtigten Feuerring.

Mt. Bromo
Mt. Bromo

Der Ijen-Krater lässt sich bei Tag und Nacht erkunden. Die blauen Flammen, die durch das freiwerdende Schwefelgas hervorgerufen werden, kann man allerdings nur bis fünf Uhr morgens sehen. Das Naturschauspiel ist einzigartig auf der Welt und hat etwas ganz eigenes. Die Schwefelgase stechen jedoch in Augen und Atemwegen. Man sucht Schutz hinter den großen Felsen, wenn der Wind gerade wieder seine Richtung geändert hat.

Bullen, Wild und Affen lassen sich den ganzen Tag in der savannenartigen Landschaft des Taman-Nationalparks erspähen. Durch das Gehölz bewegen sich jedoch auch Tiger, die nur selten jemand zu Gesicht bekommt.

Taman Nationalpark
Taman Nationalpark
Sacred Monkey Forest
Sacred Monkey Forest

Von der muslimischen Insel Java geht es dann nach Bali (hinduistisch). Der kulturelle Unterschied lässt sich schon auf den ersten Metern erkennen. In Ubud im Sacred Monkey Forest sind die kleinen Äffchen wahnsinnig neugierig und springen das ein oder andere Mal auf die Schultern der Besucher, kraulen ihnen durch's Haar und springen weiter. Sehr, sehr süß.

Zwischen den Reisfeldern und an den Stränden steigen täglich lange, große und bunte Drachen auf. Die Kinder lassen viel Schnur kommen und so sieht man am späten Nachmittag manchmal Dutzende Drachen am Himmel tanzen.

Kuta
Kuta

Und dann kann man in den Wellen toben, schnorcheln, surfen und sich jedem erdenklichen Wassersport hingeben. Man kann die Sonne untergehen lassen, während man auf dem warmen Sand das kühle Meereswasser um die Füße schäumen lässt.

Die Flagge ist meist rot und trotzdem hält es einen nicht davon ab sich den Wellen und Strömungen hinzugeben. Zu faszinierend sind die brechenden Wassermassen. Abends ertönen Gitarrenklänge am Strand. Die letzten Surfer versuchen den Wellen Stand zu halten. Dann kehren alle an Land zurück und überlassen das Meer der Nacht.

Kuta
Kuta

Das unbekannte Bali erstreckt sich im Inneren der Insel. Regenwälder und Seen bestimmen dort das Landschaftsbild. Immer wieder taucht die Frage auf, was das gefährlichste Tier ist. Mit einem traurigen Lächeln ist es ein ums andere Mal der Mensch. Die wenigen naturüberlassenen Teile Balis werden immer mehr touristisch erschlossen. Die wenigsten Einheimischen zollen der Umwelt auch nur einen Gedanken. Pestizide vergiften die Seen und Tiere werden in abartigen Behausungen gehalten. Tierschutz findet hinter Gittern statt. Man kennt die Probleme, ignoriert sie aber, weil die Natur allein eben kein Geld bringt. Der Tourismus steht im Vordergrund und Mutter Erde muss dafür herhalten. Java und Bali sind dicht bevölkert. Es gibt keinen Ort, an dem man sich verlieren kann. Und daher war Indonesien eine Erfahrung mehr, aber kein Land, in das ich zurück kehren würde.

©️Kuno 08/2017

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Kommentare: 0

#4 Claudia Braunstein

Liebe Kuno, wie immer wecken deine Bilder großes Fernweh. Gut, dass du dir auch Gedanken machst über den Tourismus, der dort eher abschreckend ist. Liebe Grüße, Claudia

KUNO

Selbstredend. Zum Reisen gehören ja nicht nur die schönen Seiten.


#3 Barbara von Barbaralicious

Liebe Kuno,
du hast mir gerade unheimlich Lust auf Java gemacht! Ich war bisher nur auf Bali und kenne sonst von Indonesien eigentlich gar nichts... Aber da ich sehr bald wieder nach Bali fliege, hoffe ich einfach mal, dass ich es dann schaffe, auch ein paar andere Inseln zu erkunden :) Danke auf jeden Fall, dass du mich auf Java aufmerksam gemacht hast!
Liebe Grüße,
Barbara

KUNO
Java ist landschaftlich und kulturell ganz anders, hat mir aber tatsächlich besser gefallen. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß und schöne Erlebnisse :)


#2 Victoria

Liebe Kuno,
wieder mal toll geschrieben und die Bilder sind schon der Wahnsinn. Ich verstehe sehr gut was du meinst und gebe dir auch vollkommen recht, der Mensch achtet viel zu wenig auf die Natur. Ich frage mich nur manchmal, warum wir erwarten, dass andere Länder tun was wir selbst auch nicht hinbekommen. ;-)
Viele Grüße
Victoria

KUNO

Danke schön :) Ja, leider wahr... Dabei kann man schon mit kleinen Dingen so viel bewirken.


#1 Kathi

Liebe Kuno,
Was für großartige Bilder und schöner Beitrag. Mir geht es mit Indonesien genauso wie dir: wie die Natur mehr und mehr dem (Über-)leben des Menschen weicht, finde ich unerträglich. Der Tourismus ist da. Besonders auf Bali - fast an jeder Ecke. Daher ist Indonesien nicht unbedingt ein Land, in das ich noch mal reisen würde.
Viele liebe Grüße
Kathi

KUNO
Vielen Dank :) Ich habe leider gar nicht verstanden, warum so viele von Bali schwärmen. Ich fand es mitunter einfach nur schrecklich und traurig mit anzusehen... Java hat mir da um einiges besser gefallen, aber auch nicht wahnsinnig überzeugt.