Kolumbien

Bei Nacht wird man auf dieser Straße mit einer großen Wahrscheinlichkeit ausgeraubt. Vielleicht sogar verletzt. Die Mordrate in Kolumbien ist hoch. Bei Tag patrouillieren Soldaten auf der Straße. In San Augustin begegnet man freundlichen, herzlichen Menschen. Man grüßt sich hier. Die Probleme Kolumbiens haben an diesem Ort keine Bedeutung. Umgeben von Bergen in tropischem Klima liegt die Idylle. Versteckte Wasserfälle, wunderschöne Aussichten über das umliegende Weideland, Kaffeeplantagen und farbintensive Blüten, die ihre Köpfe gen Himmel strecken. Hier geht man nicht gebeugt, sondern im Einklang mit Mutter Erde. Die Soldaten verschieben den Einzug in das Dorf. Sie werden hier nicht gebraucht. Es ist friedlich und sicher. Kolumbien kennt beides. Es ist weder das eine, noch das andere, sondern vielmehr ein Land, das irgendwie den Grenzakt zu vollführen sucht.

San Gil
San Gil

In der sengenden Hitze der Tatacoa-Wüste wechselt die Vegetation wie die vielen Fassaden des kolumbianischen Ehrgefühls. Überall sind Drogenhandel und Korruption Gefährten. Das Militär hat seine Präsenz drastisch erhöht. Man fühlt sich sicher. Die Menschen sind herzlich. Aber es schwebt eben auch immer der Gedanke an das andere Kolumbien mit. Das dunkle. Die Wüste selbst ist mal rot, mal weiß, genauso wie die Pflastersteine der großen Städte. Gewalt überschreitet die Grenzen der Nacht.

Villavieja
Villavieja

Und trotzdem fühlt man sich frei und von den Menschen empfangen. Denn sie wollen nicht auf Drogenkriege und Gewaltdelikte reduziert werden. Würde man es tun, dann wäre man nicht gerecht. Denn Kolumbien ist faszinierend und atemberaubend schön, wenn man ins Hinterland eintaucht.

Tatacoa-Wüste
Tatacoa-Wüste

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass Jonny und ich uns auf einem kleinen Boot beim Schnorcheln in Mexikos Karibik kennen gelernt haben. In Bogota treffen wir uns wieder. Als Guide durch die Straßen der kolumbianischen Hauptstadt eignet sich Jonny wenig, dafür freut er sich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn er mit der Entscheidung an der Wegkreuzung richtig liegt. Es war nicht geplant, dass wir uns jemals wieder sehen würden. In Bogota war es mehr als spontan und anfangs sehr unglaubwürdig, aber es ist der Beweis, dass man es schaffen kann. Man kann sich wieder sehen. Wo auch immer auf dieser verrückten Erdkugel.

San Gil ist Ausgangspunkt für Outdoor-Aktivitäten. Die Stadt an sich hat einen kleinen, aber sehr schönen Park mit sehr neugierigen Schildkröten, die keineswegs kamerascheu sind. Für alles andere muss man das Städtchen verlassen und hinein tauchen in die Natur.

San Gil
San Gil
San Gil
San Gil

Die Sonne scheint, das Wasser ist angenehm kühl, die Steine rings umher aufgewärmt, es weht eine leichte Brise. Nach einer kleinen Wanderung lädt der Fluss mit seinen vielen kleinen Becken förmlich dazu ein sich die wohl verdiente Abkühlung zu holen. Zeit spielt dann erst einmal keine Rolle mehr.

Curitis
Curitis

Früh morgens ist niemand an dem großen Wasserfall Juan Curi. Es sind nur das Tosen des Wassers und der kühle Wind zu hören. Das Wasser ist eisig, aber das kleine Becken, in dem der Fall abgeflacht wird und plätschernd weiter ins Tal fließt, ist verlockend. Ein Sprung ins kalte Nass unter den herab stürzenden Wassermassen lässt einen das Leben spüren. Während der Tag langsam beginnt und die ersten Menschen ankommen, bin ich schon längst nicht mehr dort. Der Glanz der frühen Stunden ist vergangen.

Juan Curi
Juan Curi
Tayrona-Nationalpark
Tayrona-Nationalpark

Der Tayrona-Nationalpark liegt direkt an der kolumbianischen Karibikküste. Tritt man also aus den Regenwäldern hinaus, liegen verlassene Strände und das glasklare Meer vor einem. Das Wasser ist warm, die Sonne scheint, kleine Fische kommen in die Bucht. Die Karibik lässt einen nicht enttäuscht zurück. Wenn man die versteckten Strände findet, begegnet man keiner Menschenseele und hat Wellen und Wolken für einen Moment für sich allein.

Tayrona-Nationalpark
Tayrona-Nationalpark

Cartagena, eine Perle an der Karibikküste, so sagt man. Innerhalb der Stadtmauern bestimmt: schicke Boutiquen, teure Cafés und feine Restaurants, alles im spanischen Kolonialstil, das Meer rauscht im Hintergrund. Außerhalb jedoch Baracken, Obdachlose und eine hohe Kriminalitätsrate. Die Mauer trennt farbenfrohe Fassaden von grauen. Das bunte Leben von dem armen, verzweifelten.

Kolumbien kann gefährlich sein. Nachts, allein auf den Straßen und in den dunklen Gassen. Aber Kolumbiens Menschen sind wahnsinnig hilfsbereit, zuvorkommend und haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. In Begleitung eines Kolumbianers fühlt man sich sicher, aufgehoben und in einem wunderschönen Land noch ein bisschen mehr willkommen.

©Kuno 06/2017

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Kommentare: 0

#7 Paul

He Kuno.
Ein schöner Reisebericht über Kolumbien. Eine sehr gute Freundin von mir kommt auch von dort und schon deswegen möchte ich Kolumbien unbedingt auch mal bereisen. Vielleicht klappt es ja nach der Masterarbeit =).
Wo treibst du dich eigentlich gerade so rum?
lg

KUNO
Kolumbien ist landschaftlich und von den Menschen her ein absoluter Traum! Als Südamerikafan wirst du da sicherlich gut aufgehoben sein ;) Im Moment bin ich in Neuseeland :)


#6 Monika und Petar Fuchs

Die Gewalt und der Drogenhandel in Kolumbien sind der Hauptgrund, warum dieses Land nicht auf unserer Reisewunschliste steht. Natürlich weiß ich, dass es dort mehr friedliebende und ehrliche Menschen als Drogenhändler gibt. Trotzdem hält uns die unterschwellige Gefahr von Reisen dorthin ab.

KUNO

Wenn man sich auf den gewöhnlichen Touristenpfaden aufhält, ist Kolumbien sicher. Man muss auf manchen Straßen aufpassen, auf denen man nachts nicht entlang reisen sollte und in größeren Städten etwas aufpassen. Die meiste Gewalt spielt sich zwischen den Drogenkartellen ab. Aber ja, Kolumbien hat definitiv mit diesen Problemen zu kämpfen. Landschaftlich und von den Menschen, die ich getroffen habe jedoch absolut top!


#5 Victoria

Ah, Kolumbien.....schon viel gehört und immer macht es mich ein wenig sehnsüchtig danach. Du hast das mit deinem Artikel jetzt noch mehr verstärkt. Es klingt so wunderbar und toll und die Menschen.....ja da müssen wir wirklich bald mal hin.
Liebe Grüße
Victoria

KUNO

Immer wieder gerne ;)


#4 Barbara

Hallo Kuno,
Kolumbien ist eines der Länder, in denen zurzeit viel passiert, die so vielschichtig sind, so interessant, so brutal, so warmherzig, interessant. Danke für deine Eindrücke.
Liebe Grüße
Barbara

KUNO

Kolumbien hat mit einigen Problemen zu kämpfen, ist aber von den Menschen her sehr freundlich und absolut empfehlenswert!


#3 Elena

Hallo Kuno,
spannend dein Bericht aus Kolumbien. Ein Land, in das ich vermutlich nie kommen werde. Ganz besonders gefällt mir das Bild der Schildkröte. Warst du da wirklich ganz nah dran oder ist es stark gezoomt? Wie riechen Schildkröten?
Liebe Grüße
Elena

KUNO

Alles ohne Zoom. Die Schildkröte war sehr, sehr neugierig und geradewegs auf meine Kamera zugelaufen. Das Video dazu ist auch super niedlich :D


#2 Antje Zimmermann

Ich bin schockverliebt! In die Landschaft des Tayrona-Nationalparks an der kolumbianischen Karibikküste, von der ich bis dato gar nicht wusste, dass sie existierte. Und in diese total süße Schildkröte, die du fotografiert hast. Die Bilder sind wirklich berauschend. Und dein offener, ehrlicher Text macht wirklich neugierig auf das Land und seine Menschen. Ich denke, ich werde das Abenteuer Kolumbien wagen und danke dir herzlich für den tollen Bericht.
Viele Grüße,
Antje

KUNO

Danke schön :) Der Tayrona-Nationalpark ist wirklich schön und man kann gut und gerne mehrere Tage dort verbringen. Also viel Spaß in Kolumbien :)


#1 Julian

Sehr schöner Blog und Beitrag......Immer weiter so. Grüße

KUNO
Danke dir :)