Nepal

Nepal trägt noch immer die Narben des verheerenden Erdbebens, das weite Teile des Landes zerstört hat. Doch die Menschen lächeln. Vor der Szenerie der majestätischen Berge spielt sich ein buntes, ein fröhliches, ein warmherziges Leben ab. In den Seitengassen laufen einem Kinder entgegen, mit einem lauten Lachen und einem Namaste auf den Lippen.

Pokhara spielt sich an der Seefront ab. Über der Stadt ragen die Berge des Himalaya auf. Am Horizont gleiten Paraglider die Szenerie entlang. Und dann ist man selbst unter ihnen. Man geht die ersten Schritte, dann rennt man und dann verliert man den Boden unter den Füßen. Es fühlt sich an, als würde man für einen Moment durch die Luft laufen. Dann hat der Wind einen schon hinaufgetragen und man ist mitten drin im Paragliding. Die bunten Schirme fliegen überall um einen und man selbst verliert sich zwischen den großen Gipfeln und dem blauen See.
Im Movie Garden werden jeden Abend Filme gezeigt, meistens Independent. Unter freiem Himmel, versteckt in einem Hinterhof, laufen erst vergangene Kinoklassiker, anschließend Konzertaufnahmen, denen man sich bei Bier und Snacks hingeben kann.

Pokhara
Pokhara
Annapurna
Annapurna

Der Poon Hill Trek ist einer der beliebtesten, kürzesten Wanderungen im nepalesischen Himalaya. Fünf Tage ist man unterwegs. Es geht steile Bergstufen empor, durch Wälder und über Hügel. Am Horizont ragen immer die majestätischen Berge empor. Nachts wird es eisig kalt. Der Himmel ist sternenklar. Es ist Vollmond. Im Dunkeln steigt man auf 3200m hinauf, um dort zu warten bis langsam die Sonne über die Gipfel klettert. Es ist kein spektakulärer Sonnenaufgang, der sich hinter den langsam scheidenden Nebelschleiern abspielt, aber wenn das Licht dann den 8000er entlang gleitet, ist es einer der schönsten, die man je gesehen hat. Es ist eine wahnsinnige Ruhe in diesem Moment und alles verliert an Bedeutung. Man ist umgeben von der Annapurna-Bergkette, die ersten Sterne verblassen und langsam zieht ein Tag auf, der nicht ehrlicher hätte sein können.

Das Leben in den Bergen ist hart. Rinder ziehen den Holzpflug, Wasser wird aus dem nächsten Fluss herbei geführt. Kleine Kinder werden in Körben getragen. Feuerholz liegt für die Nacht bereit, wenn es wieder eisig kalt wird und die Ofenstelle der einzige Ort ist, der für kurze Zeit warm ist. Die Gesichter sind gegerbt, die Hände aufgeschürft, die Augen müde, aber das Lächeln, das jeder Besucher bekommt, ist warm und voller Freundlichkeit. Es werden keine Mühen gescheut. Tee wird aufgekocht und ein zauberhaftes Essen bereit gestellt. Morgen wird ein neuer, harter Tag beginnen, aber für ein paar Stunden, wenn die Sonne bereits untergegangen ist, spielt das alle keine Rolle mehr.

Laurabinyak
Laurabinyak

In weniger Tagen wird der Bergpass zugeschneit und ein Überqueren unmöglich sein. Die ersten Teehäuser sind bereits verlassen. Es sind nur weniger, die überhaupt in die Langtang-Region gehen. Vor zwei Jahren war sie das Epizentrum des verheerenden Erdbebens, das so viele Opfer gebracht hat. Der Gosaikunda-Trek dauert mindestens sieben Tage.

Gosaikunda
Gosaikunda

Der Bergpass liegt bei 4600m. Er ist teilweise verschneit und vereist. In der Höhe wird die Luft dünn, das Atmen fällt schwer und doch geht man voran. Schritt für Schritt steigt man höher. Um einen ragen die Berge empor und glitzern die Bergseen. Es ist eine malerische Szenerie, der nichts gerecht wird.

Langtang-Nationalpark
Langtang-Nationalpark
Langtang-Nationalpark
Langtang-Nationalpark

Nepal hat eine magische Zahl: 8848. Es sind nur vier Ziffern, die aber schon einige Leben gefordert haben. Sir Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay haben am 29. Mai 1953 als erstes den Mt. Everest bestiegen. Es gibt schönere Berge, aber keinen, der mehr Faszination hervorbringt, als der höchste, den in dieser Zeit die Welt gesehen hat. Allein der Flug zum Ausgangspunkt der Besteigung oder Wanderung zum Base Camp endet jedes Jahr für mehrere Menschen tödlich. Ebenso der Aufstieg in die Höhen des Königs aller Berge.

Für viele bleibt es ein Traum und für einige wenige ein Plan, der es schafft, nicht an den schroffen Abhängen, eisigen Spalten und hohen Gipfeln zu zerschellen.

Langtang-Nationalpark
Langtang-Nationalpark

Man kehrt aus dem Himalaya zurück und taucht noch einmal in die farbenfrohen und lauten Straßen Kathmandus ein. Dann verlässt man Nepal und blickt ein letztes Mal zurück auf die Gipfel, die sich am Horizont erheben. Man geht im Guten aus diesem Land, das so viele Narben trägt, so viel Geschichte inne hat und diese wahnsinnige Freundschaft mit seinen Reisenden einzugehen vermag.

©Kuno 11/2017

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Kommentare: 0

#4 Kathi

Liebe Kuno,
wow, hier würde ich dir sehr gerne nachreisen. :) Aber dass der Poon Hill Trek, der auf fünf Tage ausgelegt ist, wirklich der kürzeste Wanderpfad ist, ist schon bemerkenswert und ernüchternd zugleich. Deine Bilder sind wie immer großartig. Ich hab mir den Beitrag mal abgespeichert, denn das klingt definitiv nach einem Abenteuer, dem man nachreisen sollte. :)
Viele liebe Grüße
Kathi

KUNO

Es gibt sicherlich auch kürzere Wanderungen, aber wenn man in die Berge will, dann muss man einige Tage einplanen. Nach oben sind da natürlich keine Grenzen gesetzt. Aber durch die ganzen schönen Teehäuser und die Szenerie ist es wirklich ein einmaliges Erlebnis :)


#3 Tanja

Was für eine schöne Reise. Nepal wirkt auf mich auch sehr anziehend und faszinierend. Auf alle Fälle auch ganz wundervolle Bilder, die richtig Lust auf eine Reise machen.
Viele Grüße
Tanja

KUNO

Dann nichts wie los ;)


#2 Susanne

Eine wunderschöne Region und du hast sie auf deinen Bildern wirklich eindrucksvoll eingefangen. Ich bin beeindruckt!!!!!
Das Himalaya Gebiet ist ja der Anziehungspunkt für Bersteiger und Trekking Fans. Das würde mich körperlich sicherlich völlig überfordern (schon alleine die Höhe), aber reizen würde es mich total...
Lieben Gruß, Susanne

KUNO

Danke schön :)

Auf die Höhe kann man sich leider nie voll und ganz vorbereiten... aber es gibt auch einige schöne Wanderungen abseits der großen Berge.


#1 Anita

Nepal ist kein typisches Reiseland, sondern so richtig etwas für "Hartgesottene". Denn alleine schon wegen der Höhe muss man konditionell gut in Form und darf kein Weichei sein. Gerade deshalb fasziniert Nepal so viele Bergfreunde und Naturliebhaber. Hier gibt es noch viele unberührte und unentdeckte Gegenden. Von der Freundlichkeit der Menschen, die hier ein einfaches Leben führen, habe ich schon sehr viel gehört. Danke dass du deine wunderbaren Erfahrungen von Nepal hier teilst.
GLG, Anita

KUNO

Da hast du Recht: eine gewisse Grundkondition ist nicht von Nachteil. Bergfreunde kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten ;)