Tolkien und das Fernweh

[Ein Beitrag zur Blogparade "Warum in die Ferne schweifen" von Jessica (Yummy Travel)]

Man verlässt sein Zuhause nicht ohne Grund. Vielmehr zieht einen ein unterschwelliges Gefühl in die Ferne und hinaus in die Welt. Das Unbekannte und das Abenteuer verbünden sich. Und zerrt das Fernweh erst einmal an einem, nun, dann sagt man nicht einfach stopp. Die Möglichkeiten, die sich auftun, sind zu verlockend. Es ist nicht so, dass man nicht wieder zurückkommen möchte. Die Heimkehr ist vielmehr fester Bestandteil der Reise. Nicht jetzt, nicht heute, aber irgendwann.

 

"It's a dangerous business going out your door. You step onto the road, and if you don't keep your feet, there's no knowing where you might be swept off to.", J. R. R. Tolkien

 

Man bricht also auf, schultert das Notwendigste und lässt Freunde, Familie und Alltag hinter sich. Ziemlich egoistisch. Es fragt sich nur, von welcher Seite aus betrachtet.

Wo fängt der Himmel an und wo endet die Welt? Man trennt sich von dem, was man Zuhause nennt und setzt einen Ozean dazwischen und ein Gebirge. Ab einer ungeschriebenen Meilenanzahl spielt die Entfernung keine Rolle mehr. Es ist zu weit weg, um da zu sein. Und trotzdem gibt es diese Menschen, die die Welt bereisen. Für Wochen, Monate oder Jahre - manche ihr Leben lang.

 

"All we have to decide is what to do with the time that is given to us.", J. R. R. Tolkien

 

Es gibt diese entscheidenden Augenblicke im Leben. Man steht am Scheidepunkt. Geht man das Wagnis ein oder bleibt man im sogenannten sicheren Hafen zurück? Man kann aus Büchern lernen oder aber vom Leben. Was man braucht ist ein wenig Mut und ein aufrechtes Herz. Und auf einmal erkennt man dann, dass man überall willkommen ist. Das die Welt das Zuhause ist.

 

"Little by little, one travels far.", J. R. R. Tolkien

 

Jeder Schritt ist einer weiter weg von allem, was man zurückgelassen hat. Nicht jeder geht sich wie von allein. Denn man weiß ganz genau, was man aufgegeben hat und manchmal erdrückt einen dieses Gefühl. Eine unsägliche Schwere legt sich auf einen.

 

"Faithless is he that says farewell when the road darkens.", J. R. R. Tolkien

  

Angst und Einsamkeit sind ständige Gefährten, die von Zeit zu Zeit die eigenen Wege kreuzen. Aber es gibt auch noch die Abenteuerlust, die Neugierde, den Entdeckerwillen und all deren Freunde, die bei einem stehen. Auf einer Seite. Alle gegen den Rest der Welt. Man trifft auf Freunde. Die Sprache spielt keine Rolle mehr. Es ist dieses Lächeln, das jeder versteht. Man sieht und man begreift. Vielleicht das erste und letzte Mal im Leben. Wo auch immer man auf diesem runden Erdball steht.

 

"The road goes ever on and on. Down from the door where it all began. Now far ahead the road has gone. And I must follow if I can.", J. R. R. Tolkien

 

Von hier bis zur Ziellinie, die niemals klar definiert war und es wohl auch nicht werden wird. Denn ist es nicht der allbekannte Weg, den es zu gehen gilt?! Noch einmal steht man vor der Wahl: Hinaus in die Welt oder zurück in Sicherheit? Tief in einem regt sich dann wieder dieses Gefühl. Es gräbt sich langsam hervor und an die Oberfläche. Das Fernweh ergreift die letzte Chance und gibt vollen Einsatz. Dann ist man wieder auf der Straße und folgt ihr in die Ungewissheit. Denn sie ist es, die einen reizt und nicht wieder gehen lässt. Man wird zum Gefangenen dieses Banns. Einmal mehr ist es um einen geschehen. Das Herz brennt. Die Sehnsucht tut es gleich. Der Ruf der Freiheit hallt durch die Lande und man kann nicht anders, als ihm zu folgen - bis zum bitteren Ende und vielleicht noch ein Stück darüber hinaus.

Hindukusch
Hindukusch

 

"Not all those who wander are lost.", J. R. R. Tolkien

 

So ist man also irgendwo da draußen in der Weite verloren und doch an dem einzigen Ort, der Sinn macht. Man hört die Wellen rauschen, den Wind sich kräuseln und die Sonne lächeln. Alles ist leise und gut. Warum? Man rettet sein Leben, nicht physisch, aber vor der Sinnlosigkeit.

 

"Still round the corner there  may wait a new road or a secret gate, and though we pass them by today, tomorrow we may come this way and take the hidden paths that run towards the moon or to the sun.", J. R. Tolkien

©️Kuno 07/2016

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Kommentare: 0

#3 Steffi von Travel Moments

Wow wie schön! Die Fotos, Dein Text...und er enthält fast alle meine Lieblingszitate von Tolkien ♥ Gefällt mir wirklich sehr! LG aus Berlin

KUNO
Vielen lieben Dank! Tolkien ist einfach der Beste :)


#2 Veronica

Wirklich schön und mit Tiefe geschrieben. Auch die Zitate sind sehr passend gewählt. Werde gerne öfters vorbeischauen.

KUNO

Danke, das freut mich ;)


#1 Christine

Ein schöner und sehr wahrer Text.

Ich bin immer etwas erstaunt, wenn die Leute meinen Mut bewundern (da ich mich schon recht früh selbstständig gemacht habe). Für mich war das aber einfach nur ein natürlicher Schritt. Nichts mutiges in dem Sinne, da ich irgendwie nicht anders konnte.
Aber andererseits finde ich es auch sehr schade, wenn Freunde mangels Mut in ihrem Leben verweilen, auch wenn sie mit gewissen Dingen jetzt schon sehr unglücklich sind...

Man sollte doch einfach öfter mal Ausbrechen. Egal ob aus dem Alltag oder einer Situation, die wirklich nichts für einen ist.

Und das letzte Foto finde ich übrigens sehr, sehr schön!

KUNO
Oh wie lieb, danke schön :) Da stimme ich dir zu, man sollte sein Leben für sich leben und nicht nach irgendwelchen Erwartungen und Zwängen.